DGhk Rheinland-Pfalz / Saarland

Regionalverein der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V.

Könnte es Hochbegabung sein?

Vielleicht machen Sie sich schon länger darüber Gedanken, warum ihr Kind im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern so „anders“ erscheint?

Möglicherweise interessiert es sich für Themen und Wissensgebiete, die für sein Alter untypisch sind und hat sich in speziellen Bereichen schon ein umfangreiches Wissen angeeignet, mit dem es Sie und andere immer wieder verblüfft.
Seine Sprache und Ausdrucksfähigkeit ist in jungen Jahren schon sehr ausgefeilt, was aber vielleicht zur Folge hat, dass es von anderen, vor allem gleichaltrigen Kindern nicht immer verstanden wird und manche Erwachsene es als „altklug“ bezeichnen.
Ihr Kind zeigt ein hohes Aktivitätslevel und ist erst richtig glücklich, wenn es sehr viel Input bekommt – was sie als Eltern manchmal an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit kommen lässt.
In Kindergarten oder Schule gibt es Probleme, weil Ihr Kind unterfordert scheint, weil es Anpassungsschwierigkeiten hat oder weil die Integration in die Gruppe schwerfällt.
Ihr Kind zeigt eine übergroße Sensibilität, die sich in verschiedenen Überempfindlichkeiten gegenüber Lärm, Kleidung, Nahrungsmitteln etc. äußert.
Es wurde der Verdacht geäußert, Ihr Kind könnte eine Aufmerksamkeitsstörung haben, da es verstärkt Unruhe aber auch Unkonzentriertheit zeigt, wenn es unterfordert oder gelangweilt ist.
Andere Personen haben Ihnen geraten, sich mit dem Thema Hochbegabung zu befassen, weil sie Verhaltensweisen Ihres Kindes in diesen Bereich einordnen. Manche Menschen drängen Sie, herauszufinden, „was denn mit dem Kind überhaupt los ist!“
Dies sind nur einige Beispiele, wie sich Hochbegabung äußern kann. Es müssen keinesfalls alle diese Anzeichen vorhanden sein, es kann sogar sein, dass ein Kind von außen betrachtet recht „unauffällig“ erscheint.
Über das Thema Hochbegabung wird mittlerweile in vielen Medien ausführlich informiert und diskutiert. Insbesondere im Internet werden viele sogenannte Merkmal-Listen veröffentlicht, die selten nützlich sind, um ein Kind richtig einzuschätzen.
Darum möchten wir hier an dieser Stelle dieses Kapitel nicht überfrachten – viel lieber möchten wir mit Ihnen direkt kommunizieren. Jede „Fallgeschichte“ ist individuell, hat ihre eigenen Fragen und Antworten und bedarf eines eigenen Weges. Auch gibt es nicht „das“ hochbegabte Kind an sich, denn auch hochbegabte Kinder sind in ihrem Charakter so unterschiedlich, wie es eben alle Kinder sind.

In unserer Gesellschaft und insbesondere bei Lehrern, Schülern und Eltern besteht das Vorurteil, hochbegabte Kinder zeigten immer auch außergewöhnlich gute Leistungen in der Schule. Für viele hochbegabte Kinder trifft dies auch durchaus zu. Eine große Anzahl dieser Kinder entspricht aber gar nicht dieser Vorstellung. Diese Kinder sind anscheinend überhaupt nicht an Kindergarten oder Schule interessiert, haben schlechte Noten und verfügen häufig kaum über soziale Kontakte.

Diese Kinder verbergen ihre besonderen Begabungen, weil sie aufgrund langer Erfahrungen Angst vor Nachteilen haben. Sie haben das Gefühl, von Niemandem verstanden zu werden. Sie befürchten - bewusst oder unbewusst -sozialen Druck von Eltern, Verwandten, Gleichaltrigen, Erziehern und Lehrern und wollen diesen vermeiden.

Durch die fehlende Bestätigung und Anerkennung fühlen sich diese Kinder "falsch" und entwickeln nur wenig Selbstbewusstsein. Bei Mädchen ist der soziale Druck zur Anpassung aufgrund längst überholt geglaubter, aber dennoch immer existenter Rollenvorstellungen meist höher. Daher werden immer noch sehr viel weniger Mädchen als hochbegabt erkannt, obwohl eine Gleichverteilung der Intelligenz am wahrscheinlichsten ist.

Es gibt zur Zeit keine einheitliche anerkannte Definition, was Hochbegabung eigentlich ist. Allgemein - aber doch sehr unpräzise - lässt sich sagen, dass das hochbegabte Kind Gleichaltrigen auf musischem, sportlichem oder intellektuellem Gebiet weit voraus ist. Während es für musische und sportliche Begabungen in unserer Gesellschaft eine sehr hohe Akzeptanz gibt, trifft dies bei einer intellektuellen Begabung häufig nicht zu. Über die Gründe hierfür kann nur spekuliert werden.

Begabung ist lediglich ein Potenzial. Um dieses Potenzial in Leistung umsetzen zu können, ist es notwendig, dass die besondere Begabung von Eltern, Umfeld und Schule erkannt und akzeptiert wird und das Kind eine entsprechende Förderung erfährt. Diese zu erkennen, setzt aber das Wissen um Hochbegabung voraus.

Ob ein Kind hochbegabt ist, kann von seinen Eltern, von seinen Erziehern oder Lehrern, von Psychologen oder auch von Kinderärzten herausgefunden werden. Voraussetzung ist aber auch hier das Wissen um Hochbegabung und die Bereitschaft, sie zu akzeptieren. Intelligenztests sind ein Versuch, die Begabung zu messen, und die Entscheidung, ob eine Hochbegabung vorliegt, zu objektivieren.

Eltern haben manchmal Schwierigkeiten, eine Hochbegabung bei ihrem Kind zu erkennen und zu akzeptieren. Zum einen, weil das Wissen um Hochbegabung fehlt, zum anderen, weil man Komplikationen und sozialen Druck fürchtet und dies vermeiden möchte. Manchmal haben Eltern auch einfach nur Angst, durch das Kind überfordert zu werden. Hochbegabung ist teilweise auch erblich bedingt. Das Eingeständnis, dass das Kind hochbegabt ist, könnte auch bedeuten, dass man selbst oder der Partner (oder auch beide) besonders begabt sind.

Hochbegabte Kinder haben - wie andere Kinder - viele Eigenschaften. Das bedeutet, dass nicht jede positive oder negative Eigenart eines Kindes auf seine Hochbegabung zurückzuführen ist - so angenehm diese Annahme auch manchmal sein dürfte.