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Was ist überhaupt Hochbegabung?

Hochbegabung bezeichnet im Allgemeinen eine umfassende, weit über dem Durchschnitt liegende intellektuelle Begabung eines Menschen.

In unterschiedlichen Modellen wird versucht, Hochbegabung zu definieren.
Die Ansätze reichen von sehr engen Fassungen, die Hochbegabung ausschließlich durch hohe Intelligenz definieren, zu weiter gefassten Definitionen, die zum Beispiel emotionale, künstlerische und sprachliche Anteile mit einbeziehen.
Von einer normalen, durchschnittlichen Intelligenz spricht man, wenn ein Intelligenzwert von 100 (IQ-Wert) bzw. ein Prozentrang von 50 erreicht wird.
Von einer überdurchschnittlichen Intelligenz spricht man ab einem Wert von circa 115 oder besser einem Prozentrang von 85.
Als hochbegabt wird ein Kind dann bezeichnet, wenn es einen IQ-Wert von 130 und mehr erreicht, beziehungsweise ab einem Prozentrang 98. Nur ungefähr 2 % der Kinder eines Jahrgangs können als hochbegabt eingestuft werden.

Hochbegabung ist keine Krankheit oder Behinderung, sondern kann ein Geschenk für das Kind, für die Familie und für die ganze Gesellschaft sein. Hochbegabte Kinder sind keine „besseren“ aber auch keine „schlechteren“ Kinder. Sie brauchen, um sich harmonisch und glücklich entwickeln zu können – genauso wie jedes andere Kind auch – eine Förderung, die ihren Bedürfnissen gerecht wird .

Intellektuell hochbegabte Kinder entwickeln sich auf vielen Gebieten schneller als ihre Altersgenossen. Insbesondere ihr logisch-abstraktes Denkvermögen ist sehr weit entwickelt, sie verarbeiten Informationen sehr schnell und zeichnen sich durch komplexes und divergentes Denken aus. Häufig verfügen sie über einen auffallend großen Wortschatz.
Gut zwei Prozent der Kinder sind, unabhängig von ihrer Herkunft, hoch begabt.
Wird Begabung nicht erkannt und gefördert und kann sich daher nicht entfalten, so führt dies häufig zu leidvollen Erfahrungen des Kindes und seiner Familie, und stellt für die Gesellschaft zumindest einen Verlust an geistigen Ressourcen dar, kann aber auch zu einem erheblichen Kostenfaktor werden, wenn jahrelange Selbstverleugnung das psychische Gleichgewicht des Kindes und die Familiensituation über das erträgliche Maß hinaus belasten.
Hochbegabte Kinder brauchen, genauso wie jedes andere Kind, für eine harmonische Entwicklung ihrer Persönlichkeit Anerkennung ihrer Bedürfnisse und Interessen, geistige Herausforderung auf ihrem Niveau und Kontakte zu gleichartigen Kindern.


Das Kind braucht Verständnis und Hilfe...

... im Kindergarten

  • wenn die Spiele und Lernmaterialien nicht seinen Bedürfnissen und Interessen entsprechen,
  • wenn es keine Kinder findet, die seine Spiele teilen,
  • wenn seine Beiträge zur Gruppe auf Unverständnis oder gar Ablehnung stoßen,
  • wenn die Erzieherin Schwierigkeiten hat, das Kind, so wie es ist, mit seinen Interessen und Fragen anzunehmen.


... in der Schule

  • wenn es den Lehrstoff schon längst beherrscht und sich langweilt,
  • wenn vorgegebene Stoffbegrenzungen angesichts seiner komplexen Denkweise unsinnig werden,
  • wenn es das Interesse am Unterricht verliert und sich Tag-träumen hingibt oder stört,
  • wenn es sein Wissen nicht einbringen kann, und Lehrer mit seinen Antworten und Lösungen nichts anfangen können,
  • wenn es sich unverstanden fühlt und dazu Angst auftritt, als Streber verstärkt in eine Außenseiterposition zu kommen,
  • wenn es trotz nachweislich hoher Intelligenz „unerklärlich“ schwache Leistungen bringt.


... in seinem sozialen Umfeld

  • wenn es die Interessen der Nachbarskinder und Klassen-kameraden nicht teilt,
  • wenn es aus einer Außenseiterposition heraus überempfindlich reagiert,
  • wenn es selbst, die Familie oder die Schule zu hohe Ansprüche an es stellen,
  • wenn Hände und Körper nicht umsetzen können, was der anspruchsvolle Verstand entwickelt,
  • wenn die Umwelt schwer akzeptieren kann, dass ein so erwachsen wirkendes Kind gefühlsmäßig auf der Stufe Gleichaltriger verbleibt und entsprechend reagiert.


Eltern suchen Hilfe,

  • wenn sie in ihrem sozialen Umfeld häufig auf Unverständnis stoßen und man ihnen vorwirft, für die abweichende Entwicklung ihres Kindes verantwortlich zu sein.
  • wenn nicht bekannt ist, wie anstrengend ein sehr lebhaftes, aufgewecktes Kind mit oft geringem Schlafbedürfnis ist, das ständig auf Erkundung aus ist und nach geistiger Nahrung sucht,
  • wenn Freunde und Verwandte ihr eigenes Kind durch das hochbegabte in Frage gestellt sehen und deshalb ablehnend auf die Familie und ihr Kind reagieren.

Hoch begabte Kinder haben nicht zwangsläufig besonders gebildete, erfolgreiche oder hoch begabte Eltern.
Eltern können Hochbegabung nicht anerziehen, sie können aber aus Unkenntnis mit dazu beitragen, dass sie unterdrückt wird, was nicht zuletzt für die seelische Entwicklung des Kindes schlimme Folgen hätte.
Ein hoch begabtes Kind braucht, wie alle anderen Kinder, nicht nur Liebe, sondern Menschen, die es so annehmen wie es ist und sich bemühen, seinen Bedürfnissen gerecht zu werden.


Hochbegabte Kinder fallen auf...

Besonders begabte Kinder sind in manchem anders als ihre Altersgenossen. Das kann - muss aber nicht - zu Schwierigkeiten führen. Manchmal ist allerdings leider erst das Auftreten von Auffälligkeiten der Ausgangspunkt für das Erkennen einer Hochbegabung.

... im Kindergarten,

  • weil es sich langweilt
  • weil es manche Spiele "doof" findet und deshalb stört, um wahrgenommen zu werden
  • weil es sich für Dinge interessiert, für die es andere für "zu jung" halten
  • weil es sich in die Gruppe nicht einbringen kann und damit häufig zum Außenseiter wird.


... in der Schule,

  • weil es sich ständig unterfordert fühlt
  • weil es als Streber oder Besserwisser gilt und unbeliebt ist
  • weil es sich als Clown der Klasse aufführt, damit die Mitschüler es akzeptieren und die Lehrer es wahrnehmen
  • weil es sich von Lehrern und Mitschülern nicht verstanden und nicht akzeptiert fühlt
  • weil es trotz bekannter Intelligenz "unerklärlich" schwache Leistungen zeigt.


... in seiner Umgebung,

  • weil es an den üblichen "altersgemäßen" Freizeitaktivitäten keinen Gefallen findet
  • weil es perfektionistisch und sich selbst und Anderen gegenüber sehr kritisch ist
  • weil es anstelle körperlicher die geistig-verbale Auseinandersetzung bevorzugt
  • weil es sehr sensibel für zwischenmenschliche Wechselwirkungen ist
  • weil es intellektuell zwar seinem Alter um Jahre voraus ist, gefühlsmäßig aber meist seinem Alter entsprechend reagiert
  • weil es sich von der Umwelt isoliert fühlt.


Eltern, ErzieherInnen und LehrerInnen hochbegabter Kinder, die sich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigen müssen, haben meist eine Vielzahl von Fragen. Auf den Folgeseiten versuchen wir auf die am häufigsten gestellten Fragen erste Antworten zu geben. Dabei versuchen wir für Verständnis für die besondere Eigenschaft dieser Kinder und für eventuell auftretende Probleme in Elternhaus, Kindergarten und Schule zu werben. Denn nur mit Wissen um Hochbegabung und der Bereitschaft, auf diese Eigenschaft einzugehen, kann erreicht werden, dass diese Kinder sich entsprechend ihrer Fähigkeiten zu ausgeglichenen und mit sich zufriedenen Erwachsenen entwickeln können.

Die folgenden Seiten können nur eine erste Hinführung zum Thema "Hochbegabung" geben. Für weitere und vertiefende Informationen verweisen wir auf unser umfangreiches Literaturverzeichnis.

Begabung ist keine Krankheit oder Behinderung, sondern ein Geschenk für das Kind, für die Familie und für die ganze Gesellschaft. Hochbegabte Kinder sind keine "besseren" Kinder. Sie brauchen aber, um sich harmonisch und glücklich entwickeln zu können - genauso wie jedes andere Kind auch  - eine Förderung, die ihren Bedürfnissen gerecht wird.